Cádiz [update]

Oh wow! Meistens sind solche Städte, in die man hinfährt, um am nächsten Tag mit irgend einem anderen Verkehrsmittel weiterzureisen ja totale Ausfälle. Man wohnt an irgendeiner lauten Straße, wandert ziellos durch düstere Gassen, traut sich in keine Bar rein (verschworene Stammkunden werfen düstere Blicke), geht irgendwo was Essen, was einem noch zwei Tage im Magen liegt und dann mit zwei Dosen lauwarmen Bier aufs Hotelzimmer, wo man zwischen Wirtschafts-News in breitem Amerikanisch auf CNBC oder einer Doku über „Upcycling in Cambodia“ des BBC World Service hin und her zappen kann. Grüße nach Algeciras an dieser Stelle!

Nicht so Cádiz. Das muss nach Barcelona definitiv die schönste Stadt Spaniens sein. Straßen, Plätze, Gassen und Gässchen, in denen man stundenlang herumwandern kann bzw. musss, weil man sich spätestens an der dritten Ecke hemmungslos verlaufen hat.

Lebendige Fassaden, Balkone, Dachterassen, viele interessante Geschäfte und noch mehr Cafés und Bars. Letztere sind, zumindest jetzt im Winter, völlig frei von Touristenmenüs und bebilderten Speisekarten.

Die Neue Kathedrale wartet mit einem zwar barocken aber vergleichsweise beruhigten und luftigem Innenraum und einer Neoklassizistischen Fassade auf.

File:Catedral de Cádiz, España, 2015-12-08, DD 56.JPG

(c) Diego Delso, delso.photo, License CC-BY-SA
(Fremdfoto, da ich im strömenden Regen meine Kamera unter der Jacke gelassen habe)

Einige Schritte weiter bietet sich ein herrlicher Blick auf die Bucht von Cadiz.

Meine Fähre ist auch schon da (etwas versteckt hinter dem Zaun)

Verfassungsdenkmal auf der Plaza España
Verfassungsdenkmal auf der Plaza España

Cádiz war im 18. Jahrhundert Haupthafen für den Handel mit den spanischen Kolonien in Amerika. Diese barocke Blütezeit sieht man der Stadt trotz eines Erdbebens im Jahr 1755 und diverser Belagerungen und Besetzungen durch Engländer und Franzosen auch heute noch an.

Auf vielen Häusern der Innenstadt finden sich diese Türmchen, denn jeder Kaufmann, der etwas auf sich hielt, hatte dort selbstverständlich seinen eigenen Wachtposten stationiert, um als neu einlaufende Schiffe aus den Kolonien zu sichten und ihnen als erster ein vorteilhaftes Angebot unterbreiten zu können.

Pfarrkirche St. Antonio
Pfarrkirche St. Antonio

 

 

Das Museum ist eigentlich ein typisches Stadt- bzw. Heimatmuseum mit vorschriftsmäßigen Tonscherben in verstaubten Vitrinen und gelangweilten Schulklassen. Sehr genial aber, wie überall in der Sammlung moderne Kunst eingestreut ist und sich auf die antiken bzw. historischen Objekte bezieht – z. B. hängt dann ein abstraktes Gemälde über einem phönizischen Mosaik, eine Radierung mit Kristalltränen der Londoner Künstlerin Hannah Collins an einer Wand mit mehreren Pietàs oder – mein Lieblingsdialog – vor einem Gemälde, auf dem ein Mönch betend mit Maria kommuniziert, eine Rosette aus tausenden Telefonbuchseiten gefaltet von Andrea Moccio. Eine kuratorische Glanztat!

Des Abends dann Tappas in der, hüstel, etwas luxuröseren Variante in einem schön verstaubten Jugendstilcafé namens Royalty, in dem der Ober einem die Serviette mit der silbernen Zange auflegt und – am Nebentisch beobachtet – bei Bestellung von einem Glas Cava die Flasche auf einem Servierwagen an den Tisch rollt, sie dort öffnet, mit dramatischen Gesten ein Glas einschenkt und dann mit dem restlichen Schaumwein wieder in die Küche zurückrollt.

Schafskäse mit Minzblättern in Teig eingeschlagen an Tomatenconfitüre
Schafskäse mit Minzblättern in Teig eingeschlagen an Tomatenconfitüre

 

Gulasch vom "Pata Negra"-Schwein in süß/saurer Soße mit Pattats Frittas
Gulasch vom „Pata Negra“-Schwein in süß/saurer Soße mit Pattats Frittas

Das Essen die nächsten Tage wird sicher etwas spartanischer 😉

Ambiente (nach diesem Testfoto war leider der doofe Akku schon wieder alle)

3 Gedanken zu “Cádiz [update]

  1. Also jetzt bin ich neidisch…. und stolz, weil du das Wort Neoklassizismus verwendet hast. 🤗😻 gute Reise. Die Mädels denken an dich wie du weiter vorn lesen kannst. Morgen früh zeig ich die Bilder dem kinde

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