Mugunghwa-ho, der Hibiskuszug von Seoul nach Busan

Seoul – Busan

Zur nächsten Station und zum Abfahrtshafen der Fähre nach Japan in der zweitgrößten Stadt Südkoreas Busan sind es von Seoul aus ca. 330 KM Luftlinie, die man sehr schnell z. B. mit den KTX Hochgeschwindigkeitszügen der koreanischen Staatsbahn Korail überwinden kann. Diese auf dem TGV-A von Alstom basierenden Triebzüge verkehren in einem aus 13 Linien bestehenden, stark auf die Hauptstadt Seoul ausgerichteten, Liniennetz. Bei der ursprünglichen Ausschreibung für das rollende Material war übrigens auch das deutsche ICE Konsortium mit einem ICE-1 im Verfahren, konnte sich aber nicht durchsetzen.

Geschmackssache, aber so richtig dynamisch sehen die Korail KTX Zügein ihrer lichtgrau/blauen Lackierung ja nicht aus…

KTX Train Seoul Station

…die ganz neuen SRT-Züge schon eher:

Die Reisegeschwindigkeiten im koreanischen KTX-Netz sind durchaus beachtlich – es werden Höchstgeschwindigkeiten um die 300 KM/H, auf der Strecke Seoul – Busan bis zu 370 KM/H erreicht. Die schnellen Züge haben aber einen Nachteil, wie ich kürzlich auch auf einem Trip nach London mit dem Eurostar erleben musste: Man sieht nichts mehr, außer vielleicht Brücken und Lärmschutzwände aber sogar die fallen in Korea auf den neuen SRT-Gleisen weg, denn diese verlaufen zu 86% unterirdisch.

 

Auf historischem Gleis beschaulich durch Südkorea

Da es zeitlich sowieso den „Puffertag“ zur Fähre (time and tide wait for no man!) in Busan brauchte, habe ich mich nach einer etwas beschaulicheren Option umgeschaut und bin auf die aus den 1980er Jahren übriggebliebenen Mugunghwa-hos gestoßen, die nach der koreanischen Nationalblume dem Straucheibisch, oder eben Hibiskus, auf koreanisch Moghungwa. Diese noch klassisch als lokomotivbespannte Reisezüge verkehrenden Garnituren wurden 1980 als Expresszüge eingeführt. Nach und nach von den KTX Hochgeschwindigkeitszügen in den Schatten gestellt, bilden sie heute die zweitniedrigste Zugkategorie bei Korail und verbinden ländliche Räume untereinander bzw. mit den Metropolen. Man kann sie sich am ehesten als eine Mischung aus InterCity und Regionalexpress der Deutschen Bahn vorstellen.

Auf der Gyongbu Linie von Seoul über Suwon, Daejon, Daehgu nach Busan kann man mit den Mugunghwa-hos heute noch eine der ältesten und wichtigsten Fernbahnstrecken Koreas befahren. Diese Strecke ist nach wie vor der wichtigste Verkehrskorridor des Landes auf dem 2/3 aller Fernreisenden befördert werden.

Die Reisezeiten sind im „Hibiskuszug“ natürlich deutlich länger als in den KTX Zügen; der Reisepreis wiederum sehr viel niedriger (s. u.). Start des knapp sechs Stunden dauernden Trips ist der Hauptbahnhof Seoul Station:

Seoul Station

Am oberen Ende diesr durchaus beeindruckenden Freitreppe steht man in der Tickethalle von der aus die Treppen zu den Bahnsteigen abzweigen. Insgesamt ist der Bahnhof zwar groß aber recht übersichtlich und alles ist in Hangeul und lateinischen Buchstaben bestens ausgeschildert.

Abfahrt Seoul Station

 

Abfahrt Seoul Station

 

Zum Regionalzug abgewertet aber nicht auf dem Abstellgleis

Der Zug Nummer 1209 fuhr, wie man auf der Anzeigetafel sieht, pünktlich und frisch geputzt aus dem Depot ein. Gezogen wurden die acht Waggons vom Typ Long Length Mugunghwa-ho Passenger Car von einer elektrischen Lokomotive der Baureihe 8200, genauer gesagt der Nummer 8227, Baujahr 2004, Achsfolge Bo’Bo-el.

Kenner sehen diesem Typ gleich die nahe Verwandtschaft zur deutschen „Brot und Butter“-Lok der Baureihe 152 an und die 8200er wurden in der Tat von Siemens/Daewoo* als Joint-Venture gebaut (ein Gruß an M.E. aus Bad H.).
(*firmieren heute als Hyundai-Rotem)

Korail Mugunghwa-Ho train
Korail Mugunghwa-ho train

Nicht nur auf Grund der ja immer seltener werdenden Kombination aus Zugmaschine und angehängten Waggons, sondern auch auch beim Blick ins Innere mit seinen zwar gut gepflegten, aber nie erneuten Sitzen, Paneelen und Ausstattungen kommt echtes Nostalgiefeeling auf:

 

Korail Mugunghwa-ho train

Absolut pünktlich setzt sich der Zug in Bewegung und startet seine Reise gen Süden. Die Strecke überquert nach einigen Minuten den Fluss Hangang und braucht dann gute 45 Minuten, um die Suburbs der Hauptstadt hinter sich zu lassen.

 

Korail Mugunghwa-ho Train

 

Korail Dieselelektrische Lokomotive der Baureihe 7400

Danach schwenkt die Strecke allmählich immer stärker nach Osten und durchquert eine für das Landesinnere Südkoreas sehr typische Landschaft aus steil aufragenden, einzeln stehenden Hügeln mit wenigen Ebenen.
Der Bau dieser Bahnlinie muss bei diesem Terrain eine ziemliche Herausforderung gewesen sein.

Korail Mugunghwa-ho train

 

Korail Mugunghwa-Ho Train

 

Korail Mugunghwa-Ho Train

Auf den insgesamt 36 Unterwegshalten steigen immer wieder viele Passagiere aus und zu. Der Platz neben mir hat insgesamt sechsmal den Besitzer gewechselt. Neben einigen Militärangehörigen waren vor allem ältere Damen und einige mittelalte Herren mit Werkzeug- oder Musterkoffern an Bord. Die gut situierte Businessklientel nimmt diese langsamen Züge naturgemäß nicht.

Obwohl die vielen Halte mit der Zeit etwas ermüden, ist es eine insgesamt eine bequeme Reise durch eine sehenswerte Landschaft. Der Zug ist angenehm dezent klimatisiert und die Sitze der Einheitsklasse sind ausreichend breit und haben einen großzügigen Abstand. Auf Annehmlichkeiten wie W-LAN, Stromanschlüsse oder ein Bordbistro muss man allerdings verzichten.

Korail Mugunghwa-ho Train

Circa anderthalb Stunden vor Busan merkt man, das man sich deutlich nach Süden bewegt hat. Die Landschaft bekommt einen leichtmediterranen Touch und der immer breiter werdende Strom Nakdongdang kündet vom nahen Meer.

Korail Mugunghwa-ho Train

 

Praktische Informationen:

Tickets kann man auf der Website von Korail buchen, allerdings nicht ganz problemlos. Da die englische Site www.letskorail.com offenbar nicht regelmäßig gepflegt wird, müssen diverse Sicherheitseinstellungen ausgesetzt und ggf. ein älterer Browsertyp, wie der Internet Explorer, verwendet werden. Danach geht die Reservierung allerdings schnell.

Die einfache Fahrt kostet 28.600 KRW (ca. 22 Euro/Stand August 2019). Das Ticket enthält automatisch eine Platzkarte.

14 Verbindungen täglich; Fahrtdauer: ca. 5H:45 MIN (+/- 15 MIN je nach Verbindung)

Achtung: Das am Ende des Reservierungsprozesses angezeigte Ticket muss man unbedingt ausdrucken. Es gibt keine nachfolgende E-Mail dazu und man kann auch mit einer notierten Reservierungsnummer das Ticket nicht nochmal aufrufen! Der Ausdruck reicht dann als Fahrkarte aus, wie mir am Schalter nochmals freundlich bestätigt wurde.

Keine Gastronomie im Zug oder an den Bahnhöfen unterwegs. Getränke und Verpflegung also selber mitbringen (Convenience Store im Bahnhof Seoul unten an der Freitreppe).

Stand 09/2019

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